Robinson esthetics_

26. Mai 2013

Familiäres Mamma- und Ovarial-Karzinomrisiko

– die OP von Angelina Jolie und deren Auswirkung

Die Statistik zeigt, dass jede 8. Frau mittlerweile an Brustkrebs erkrankt.

Seit am 14. Mai diesen Jahres die Schauspielerin Angelina Jolie in der New York Times berichtet hat, dass sie sich einer beidseitigen Mastektomie (Gewebeausräumung der Brust) und konsekutivem Wiederaufbau der Brust unterzogen hat stehen die Telefone auch bei uns Ärzten (Plastischen Chirurgen, Gynäkologen) nicht mehr still. Ihre Entscheidung begründet sie auch dahingehend, dass ihre Mutter mit 56 Jahren an einem Tumor verstorben sei und sie aufgrund von Untersuchungen Trägerin einer BRCA1 Mutation ist, die mit einem bekanntlichem Mamma- und Ovarialkarzinomrisiko einhergeht. Die Veranlagung für familiären Brust- und Eierstockkrebs wird an die Hälfte der Nachkommen (beiderlei Geschlechts – weiblich/männlich) vererbt und diese tragen damit ein hohes Risiko für Krebserkrankungen. Von einer Risikofamilie spricht man dann, wenn

  • 2 Frauen der Familie zum Zeitpunkt der Erkrankung des Brust-/oder Eierstockkrebses jünger als 50 Jahre alt sind,
  • 3 oder mehr Familienmitglieder – unabhängig vom Alter – erkrankt sind,
  • 1 Frau der Familie an Brust- und Eierstockkrebs erkrankt ist,
  • 1 Frau der Familie an beidseitigem Brustkrebs im Alter von 50 Jahren oder früher erkrankt ist,
  • 1 Frau der Familie an einseitigem Brustkrebs im Alter von 35 Jahren oder früher erkrankt ist,
  • 2 Familienmitglieder – unabhängig vom Alter – an Eierstockkrebs erkrankt sind oder
  • 1 männlicher Verwandter an Brustkrebs erkrankt ist.

Sollte eine der o. g. Risikokonstellationen innerhalb der Familie vorliegen, sollte sich die Frau einer genetischen Beratung unterziehen.

Bei Risikofamilien werden hier bei der genetischen Untersuchung auf jeden Fall auch die bekannten Brustkrebsgene BRCA1 oder BRCA2 untersucht werden.

Es wird ein Stammbaum der Familie von einem Facharzt für Humangenetik erstellt sowie in einem ausführlichen Beratungsgespräch die Eigen- und Familienanamnese erhoben.

Anschließend wird anhand der erhobenen Informationen das Erkrankungsrisiko abgeschätzt und in einem Gespräch mit der Frau das Erkrankungsrisiko besprochen sowie die für die Frau persönlichen Möglichkeiten, wie Früherkennungsuntersuchungen, diagnostischen Verfahren oder weiteren molekulargenetischen Untersuchungen besprochen.

Wenn die Indikation für die genetische Diagnostik erfüllt ist, weden aus einer Blutprobe die bekannten Gene für Brust- und Eierstockkrebs ermittelt.

Ich als Gynäkologe und Leiter von Robinson Esthetics sehe sehr viele Frauen in meiner Sprechstunde mit Brustkrebs, die auch in meiner regelmäßigen Behandlung sind bzw. viele Frauen, die zur regelmäßigen Krebsvorsorge und Kontrolle kommen.

Auch hier habe ich Frauen, die immer wieder mit Problemen (Knoten in der Brust) operiert werden und anhand der familiären Belastung die Angst auf eine Erkrankung nicht loslässt.

In den letzten 3 Jahren habe ich auch steigende Zahlen von Brustoperationen, einmal durch Kostenübernahmen über die Krankenkassen – nach genetischer Beratung und Feststellung der Genmutation – als auch durch die in der Familie bekannte Krebsdiagnose bei nicht nachweislicher Genmutation Frauen, die sich die Operation selbst bezahlen, um diesem Risiko zu entgehen.

Anlassbedingt habe ich ebenfalls vor 3 Jahren eine Brustsprechstunde eingerichtet, in der sich die Frauen schon im Vorfeld mittels Fragebogen, Hochleistungs-Brustultraschall, der schon kleinste Auffälligkeiten sichtbar macht, vorstellen können. Hier arbeite ich auch mit den namhaften Brustzentren und Experten sehr eng zusammen. Es hat sich gezeigt, dass wir durch die moderne Medizin und engen Zusammenarbeit schon viele Krebserkrankungen im Vorstadium erkannt haben.

Seit der Bekanntmachung von Angelina Jolie jedoch ist die Zahl der Frauen erheblich gestiegen.

Wenn sich die Frauen bisher noch unsicher waren hat die Veröffentlichung dazu beigetragen, dass sich jetzt viel mehr Frauen trauen das Thema anzusprechen, sich der notwendigen Untersuchungen zu unterziehen bzw. früher zu kommen.

Auch der Mut, sich der beidseitigen Mastektomie ohne Erkrankung bei familiärer Belastung zu unterziehen, ist gestiegen.

Die Rekonstruktion der Brust kann sowohl mit Implantaten als auch mit Eigengewebe stattfinden, dies hängt sehr von der anatomischen Situation als auch dem Wunsch der Frau ab. Jedoch darf man bei alledem nicht unterschätzen, dass die Frauen sich die Entscheidung nicht leicht machen und auch die Betreuung nach der Operation sehr eng und intensiv sein sollte. Denn es ist schon ein Unterschied, sich einer solchen Operation bei Erkrankung zu unterziehen oder als Prophylaxe (Vorsorge) durchführen zu lassen.

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass die Frauen, die sich einer solchen Operation aufgrund der familiären Belastung ohne derzeitige eigene Erkrankung unterzogen haben bis zu 2 Jahren mit sich selbst kämpfen und im unreinen sind, ob die Entscheidung über die Operation richtig war.

Ganz häufig wird das Implantat oder Eigengewebe, welches zum Wiederaufbau der Brust eingesetzt wird, zunächst als Fremdkörper empfunden. Der Verlust des eigenen Brustdrüsengewebes wird auch oft als Verlust der eigenen Weiblichkeit angesehen.

Denn – wie man weiß – ist die Brust eines der weiblichen Merkmale für Attraktivität und auch Anreger der sexuellen Reize. Nicht umsonst ist die Brust-OP auch die häufigste OP unter den Schönheitsoperationen- gleich wohl ob größer oder kleiner oder straffer.

Quelle: All About Esthetics